Altes Haus

Bautagebuch, Dokumentation

2020_November

7 Unterschiede sind zu finden 😉
Die Hilfskonstruktion aus Stahl ist komplett abgebaut. Nach 17 Jahren steht die Südseite wieder auf ihrem angestammten Gründungsmauerwerk.
Der nächste Bauabschnitt geplant für 2021, der Ostgiebel, ist in Vorbereitung.
Untermauerung Querwand Ost, Bruchstein mit Trasskalk
Fußstein unter Stiel, behauner Sandstein mit Nut aus altem Schweinestall
Außenwand Süd, Schichten von außen nach innen
Fachwerk,
Zwischenraum (Lehm mit Häcksel),
Bohlenwand,
Fachwerk der Querwand Ost

2020_Oktober

Bohlenstube eingetroffen. Upcycling.
Aus einem Abriss geborgene Bohlen sollen unsere Bohlenstube vervollständigen.
Blick von der Durchfahrt in die Bohlenstube. Teile der Außenwand West und Nord fehlen und sollen mit historischen Bohlen wieder ergänzt werden. Sind die Außenwände wieder tragfähig können auch die Stützen wieder entfernt werden.
Die ersten Stahlfüße sind abgebaut

2020_September

Artikel im „Markus“: Ist das noch zu retten?

Schwelle ist untermauert, nächster Schritt: der Ausbau der Stahlkonstruktion
Rollschicht aus geborgenen Ziegeln unter der Schwelle
Sandsteinsockel, Oberer Abschluss
Sandsteinsockel aufgemauert, Fuge zur Schwelle noch offen
Aufmauerung des Sockels mit Lesesteinen bei strömenden Regen

Kleines Dorffest zum 300sten Geburtstag des Alten Hauses.
Das neue alte Fachwerk ist erstellt! Dank den Zimmerleuten!
Nach 300 Jahren hat das Alte Haus eine neue Fachwerkwand. Die Jahreszahl 1720 ist in das Gefach über der Tür der Narrenstube eingeritzt. Auch die Dendrochronologie bestätigt das das Holz 1718/19 geschlagen wurde.

2020_August

Die Wand mit dem Mundloch des Backofens, sowie des Feuerlochs für den Kachelofen ist nachträglich eingebaut worden. Ursprünglich stand hier auch eine Bohlenwand, wie die Nuten am Unterzug zeigen. Um die Seitenwand gründen zu können haben wir die Wand abgetragen und werden sie als Bohlenwand wieder errichten.
Mitten in der Bohlenstube eine Steinwand. Eine Wand voller Geschichte. Zig mal an und umgebaut.
Nachdem das Fundament soweit ergänzt wurde das es Bohlenstube und Außenwand wieder tragen kann wurde die alte Fachwerkwand von Schlegel Holzbau abgebaut.
Blick auf die Bohlenwände. Eine Bohlenstube ist ein Haus im Haus, eine hölzerne Schachtel die in das Haus hineingestellt wurde und ein sehr behagliches Raumklima ermöglichte.

2020_Juli

ANPACKEN Nr.3
Die Kammer neben der Bohlenstube wurde jahrzehntelang als Hühnerstall genutzt. Also beräumen und Herstellen von Baufreiheit.

2020_Mai

Freigelegte Gründungsmauer

2020_März

Beim ersten ANPACKEN 2020 haben wir die Gefache ausgeräumt, damit der Zimmerer die schadhaften Balken auswechseln kann.

2019_August

Erste Sicherungsmaßnahmen. Verstärkung der Abstützung der Tordurchfahrt

2019_Mai

Vorhaben für gut befunden. Fördermittelzusage. Es kann losgehen.

2018_September

Baustein „Altes Haus“. Die Bohlenstube war vor 300 Jahren der gesellige Mittelpunkt des Hofes und soll es auch wieder werden.
Vier Bausteine.
Basislager
Hauswirtschaft
Landwirtschaft
Kultur

Die Überlegungen zur Nutzung des Hofes in einem Konzept zusammengefasst und einen Förderantrag für das Alte Haus bei der LEADER-Ortsgruppe Saalfeld-Rudolstadt gestellt.

2018_August Eigentümerwechsel

Die „Strebepfeiler“ inzwischen kompostiert.
Hof 9 Zustand 2018. Nach zwei Jahren Leerstand.
Beim Verkaufsgespräch pries die Maklerin das Gehöft mit folgenden Worten: „Sie können die Alten Häuser abreißen. Die Denkmalpflege hat nichts dagegen.“

2013
gehört zu den heißesten Jahren seit Beginn der Messungen.
Der Einfluss des Menschen auf das Klima wird zunehmend spürbar.
Das Alte Haus mit klimafreundlichen, abfallfreien Baustoffen (Holz, Lehm, Bruchstein und Stroh) zu Beginn der Industriellen Revolution gebaut, steht noch immer…
Möglicherweise stecken in dieser alten Konstruktion Materialien und Prinzipien die uns auch heute noch Vorbild sein können, zur Lösung der anstehenden Aufgaben.

Übersicht über CO2-Freisetzung durch den Menschen in den letzten 200 Jahren.
Für das Bauen interessant: der nicht unerhebliche Anteil der Zementproduktion.

Vor dreihundert Jahren haben Menschen nicht nur das Alte Haus gebaut sondern mit der Nutzung der Kohle eine Entwicklung angestoßen, die wohl entscheidend unsere Zukunft bestimmen wird.
Die Grafik unten zeigt in der unteren Hälfte mit der blauen Fieberkurve die Änderung der Konzentration des CO2 über die letzten 400.000 Jahre. Den Wechsel von Warm- und Eiszeiten. Der gelbe Kasten zoomt in den letzten senkrechten Anstieg hinein und zeigt die Entwicklung der letzten 1000 Jahre.

Carbon Dioxide 400kyr.png
CC BY-SA 3.0, Link

2011_Februar

Sieben Jahre später. Die Plane hat sich inzwischen aufgelöst. Wind und Wetter arbeiten hart daran, die angefangene Notsicherung rückzubauen. Die „Strebepfeiler“ die das Obergeschoss in der Luft halten, sind inzwischen der normale Anblick von der Dorfstraße.

2004_Oktober

Das Stiefelfundament ist gegossen, die Vormauerschale aus Feldsteinen ist bis auf 3/4 der Ursprungshöhe wieder errichtet. Den Eigentümern fehlen die Resourcen und die Motivation um die begonnene Rettung fortzusetzen, ebenso der Denkmalpflege. Der Schwebezustand wird jetzt eine ganze Weile andauern.

2004_Januar

Blick auf die Südwestecke des Alten Hauses. Die letzte Bohle der Bohlenstube schwebt über den Köpfen der Maurer. Ungewöhnlich, daß die unterste Bohle nicht auf der Fachwerkschwelle steht sondern diese sich fast 40cm tiefer befindet und direkt auf das Erdreich gestellt wurde. Ein Hinweis dafür, daß die Bohlenstube nicht für dieses Haus gebaut wurde sondern aus einem anderen Bau wiederverwendet.
Die Südwand ist unterfahren, der Sockel abgebaut, das Erdreich dahinter abgeschachtet um Platz zu schaffen für eine neue Gründung
Abstützung des Ober- und Unterfahrung des Erdgeschosses
Montage der Stahlträger und Sicherung der Fachwerkwand.
Notwendige Vorarbeiten um das Haus “ in die Luft zu hängen“

2003_April

Blick in die „Narrenstube“ im Obergeschoss des Alten Hauses
Ausgangssituation Stand 2003: Fundament ist in sich zusammengerutscht, Grundschwelle gebrochen, Fachwerk verformt und beschädigt

1968 – „Earthrise“ Apollo 8
Die Raumfahrtprogramme die der Menschheit zeigen sollten, dass ihre Heimat nur ihre Wiege war, zeigt am Ende das ihre Wiege ihre einzige Heimat ist. Es war der Schlüsselmoment des 20. Jahrhunderts.
Robert Poole

Von NASA/Bill Anders – http://www.hq.nasa.gov/office/pao/History/alsj/a410/AS8-14-2383HR.jpg

1914-18
1. Weltkrieg

Landesarchiv Thüringen – Staatsarchiv Altenburg, Plakate, Nr. 855

1914
Elektrifizierung von Mötzelbach und Bau der Wasserleitung. Die einzelnen Höfe werden an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Vorhandene Brunnen werden zum Teil verfüllt.

1.4.1893 – Neue Zeit
Die Bahn und das Militär verlangten nach einer einheitlichen Zeit in Deutschland. Bis jetzt hatte jedes Land, jedes Fürstentum seine eigene Zeit.

ca. 1890 – Die Amputation des „Alten Hauses“

So ungefähr könnte das Alte Haus ausgesehen haben


Mit Hilfe der künstlichen Düngung und Mechanisierung stiegen auch in Mötzelbach die Erträge. Größere Scheunen verdrängten die alten. Neue Bauernhäuser wurden gebaut. Industrieprodukte prägen auch hier zunehmend das ländliche Bauen.
(gebrannte Ziegel statt Lehmstaken, behauener Sandstein statt Lese- und Bruchsteinen, Dachziegel statt Strohdeckung, gesägtes Holz statt behaunes)
Auch die Bauern des Hofes Nr.9 bauten neu.

Cirka 1/3 des Alten Hauses musste dem modernen Neubau weichen

Mit dem Teilabbruch des „Alten Hauses“ wurde Platz geschaffen für einen Neubau des Wohnhauses. Das Alte Haus wurde um ca. 6 m „eingekürzt“. Die Außenwände der Schwarzküche abgebrochen, der Boden der Küche auf der Südseite um 1,50 m abgegraben um eine Durchfahrt in den Hof herzustellen. Einfahrt durch die Küche!
Dabei wurde die kaum vorhandene Gründung der Querwände einfach untergraben und notdürftig mit Sandsteinen unterstopft. Im Fachwerk des neugebauten „Großen Hauses“ sind schon Fensteröffnungen nach Osten angelegt, die noch vom „Alten Haus“ verstellt werden. Darum ist davon auszugehen, dass das „Alte Haus“ nicht nur zum Teil abgerissen sondern komplett geschliffen werden sollte.
Irgendetwas kam dazwischen…
Und so überdauerte das „Alte Haus“ die nächsten 100 Jahre als Schweine-, Hühner- und Entenstall. Als Taubenschlag, als Schirr- und Abstellkammer.

Aufnahme Februar 2019
Das abgesägte „Alte Haus“ mit dem rechts vorbeischießenden „Großen Haus“.
Die Durchfahrt war die ehemalige Küche

1874 – Neue Transportwege
1. Mai Eröffnung der Saalebahn

Streckenkarte 1938
Postkarte 1910

1873
Dampfdreschmaschine wird gemeinsam von Neusitz, Klein- und Großkochberg und Mötzelbach für 3000 Taler angeschafft.

Während die Dreschmaschine in der Scheune aufgestellt wurde, ist die gewaltige Dampfmaschine auf dem Hof neben der Miste platziert. Mindestens zwei Männer sorgen für den Betrieb der Dampfmaschine, aus deren hoher Schornstein dunkler Rauch ausgestoßen wird. Zum Foto haben sich 26 Dreschhelferinnen und -helfer aufgestellt, darunter sechs Mägde. Das Bild zeigt, dass die Dreschmaschine sicherlich eine gewaltige Erleichterung der Drescharbeit brachte, jedoch immer noch den Einsatz zahlreicher Arbeitskräfte erforderte.

1852 – Auszug aus der Flurkarte

Der heutige Hof Nr.9 ist 1852 die Nr.11. Das „Alte Haus“ mit Vorgarten füllt noch die gesamte Straßenfront aus. Auf seiner Ostseite ist der Vierseithof geöffnet, hier liegt die Zuwegung. An das Alte Haus schließt sich rechtwinklig ein schmaler Gebäudeteil an. Möglicherweise mit Stallungen im Erdgeschoss und Kammern an einem Laubengang im Obergeschoss. Mittig an der westlichen Grundstücksgrenze ist ein kleiner Teich eingezeichnet. Das Grundstück selbst ist auffallend groß und von eigenartigem Zuschnitt. Das dem Hof gegenüberliegende langstreckte Gebäude mitten in der Allmende könnte die Kegelbahn des Dorfes sein.

1840 – künstliche Düngung

Justus Liebig publiziert er sein grundlegendes Werk über Agrikulturchemie. In der ersten Zeit nach Veröffentlichung waren seine Grundaussagen umstritten und wurden von der Wissenschaft und praktischen Landwirtschaft als inkompetent erachtet. Erst ca. 20 Jahre nach Veröffentlichung der Agrikulturchemie erfuhr Liebig breite wissenschaftliche Anerkennung. Die praktische Anwendung seiner Lehre führte seither zur Vervielfachung der Ernteerträge. Die Ernährung industriell und großstädtisch organisierter Gesellschaften wäre ohne Kenntnis der Liebig’schen agrikulturchemischen Grundaussagen nicht möglich.[25] So ist beispielsweise in Deutschland die agrarische Produktion zwischen 1873 und 1913 um 90 % gestiegen. Diese Zunahme basierte neben der Mechanisierung der Landwirtschaft und wissenschaftlich begründeter Tierzucht insbesondere auf der Verwendung von bergbautechnisch gewonnenen bzw. industriell hergestellten Düngemitteln.[26]

um 1730 (eine genaue Datierung liegt nicht vor)
Über der Bohlenstube befindet sich im Obergeschoss die „Narrenstube“ geschmückt mit einer bemalten Bohlendecke.

1720
Bau und Fertigstellung der Ausfachungen des „Alten Hauses“

Jahreszahl 1720 mit dem Finger in den Lehm der Ausfachung über der Tür in der „Narrenstube“ geschrieben

1718
Einschlag des Holzes für das Fachwerk des „Alten Hauses“

1712
Thomas Newcomen baut 1. Funktionsfähige Dampfmaschine,
eingesetzt als Pumpenantrieb zur Entwässerung eines Kohlebergwerkes in Südengland
Beginn der Industriellen Revolution –
Anfang der massiven Nutzung fossiler Energieträger (erst Kohle dann Öl und Gas) durch den Menschen

Newcomens Dampfmaschine aus Meyers 1890.png
Von Meyers Konversationslexikon 1890 – Meyers Konversationslexikon 1890, Gemeinfrei, Link

1653
Einschlag des Holzes für die Bohlenstube

Wandaufbau von innen nach außen (von links nach rechts);
Stiel vom Tragwerk Querwand,
Bohlen der Bohlenstube (1653),
Zwischenraum mit Lehm verfüllt,
Außenwand

1194
Erste urkundliche Erwähnung von METCELBACH

2 Kommentare

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was soll man dazu sagen, toll was Ihr Alle auf die Beine gestellt habt, bzw. wieder auf eine stabile Mauer – sehr beeindruckend!
Es geht eben Vieles, wenn vielleicht einer eine Idee hat, aber viele mitmachen und Spaß daran haben, Altes zu erhalten!
Grüße aus Berlin
Lutz

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